29.03.18

Kickboxer kämpft gegen Drogen in der Saale-Region

 

CDU-Landeschef Mike Mohring lässt sich von Kickboxer Kallenbach „Courage“-Projekt erläutern – Neuerliche Kritik an spätem LKA-Einsatz


Saalfeld/Kamsdorf. Mike Mohring, CDU-Landesvorsitzender und Fraktionschef im Landtag, fordert eine umfassende Aufklärung des Sprengstoff- und Chemikalienfundes in Rudolstadt und Uhlstädt-Kirchhasel von Mitte März. Wie Mohring am Rande seiner gestrigen Besuchstour im Landkreis erklärte, habe seine Fraktion zwei Anträge eingebracht, dass sich der Innenausschuss des Landtages intensiv mit dem Fall befassen solle. „Wir brauchen eine wirklich lückenlose Aufklärung auch dahingehend, in welchen Verbindungen einer der Tatbeteiligten zu Abgeordneten der Linkspartei und zu linksextremistischen Strukturen stand“, sagte Mohring.

Er erneuerte seine Kritik, dass das Landeskriminalamt (LKA) erst vier Tage nach ersten öffentlichen Berichten die Ermittlungen von der örtlichen Kriminalpolizei übernommen hatte und die beiden Verdächtigen zunächst auf freiem Fuß blieben. „In Bayern geht man da ganz anders zur Sache“, unterstrich Mohring und verwies damit auf den Sprengstofffund in einem Obdachlosenheim in Schweinfurt, wo das dortige LKA sofort die Ermittlungen übernommen hatte und der Tatverdächtige in U-Haft kam.

„Ich habe schon das Gefühl, dass der Apparat ein Stück träger angelaufen ist, als wenn der Sprengstoff im Umfeld von Neonazis gefunden worden wäre“, sagte der CDU-Landesvorsitzende. Aber 100 Kilogramm sprengfähige Chemikalien und ein paar Gramm eines hochexplosiven Sprengstoffes seien keine Nebensächlichkeit: „Der Staat darf weder auf dem rechten noch auf dem linken Auge blind sein.“

Zuvor hatten sich Mohring, der CDU-Landtagsabgeordnete Maik Kowalleck und Saalfelds CDU-Bürgermeisterkandidat Steffen Kania in der „Invictus“-Kampfsportschule von Kickbox-Weltmeister John Kallenbach umgesehen. Derzeit betreuen die fünf Trainer von „Invictus“ etwa 200 Freizeitsportler – und beileibe nicht nur Jugendliche. „Unser jüngster Schüler ist viereinhalb, der Älteste schon 60 Jahre alt“, informierte Kallenbach. Wichtig sei neben den sportlichen Fähigkeiten das Vermitteln von scheinbar vergessenen Werten wie Pünktlichkeit, Disziplin, Respekt und der nötigen Anstrengung, um zu Erfolgen zu kommen. „Wenn einer hier rumschreit, machen alle Liegestütze“, erläutert Kallenbach, „oder rennen ein paar Mal die Treppen rauf und runter.“ Die Schule befindet sich in der obersten Etage des ehemaligen Postgebäudes am Bahnhof.

Interessiert hörten der CDU-Landeschef und die anderen Besucher Kallenbachs Erläuterungen zum Projekt „Courage gegen Drogen“ zu. Im Saale-Orla-Kreis haben sich Landratsamt und andere Behörden, Polizei, Kreissparkasse, Suchtberater und Sozialorganisationen zusammengetan, um mit unterschiedlichsten Ansätzen gegen die wachsende Verbreitung von Drogen und vor allem Crystal Meth vorzugehen. Eines der Mittel: Kallenbach und sein Team gehen an Schulen, diskutieren mit den Kindern und Jugendlichen, demonstrieren ihren Sport, üben mit den Schülern.

„Es geht darum, klarzumachen, dass man auch ohne Drogen etwas Besonderes sein kann, dass sich Wut und Energie positiv kanalisieren lassen“, erklärt der Kickboxer. Angesichts von jährlich rund 200 drogensüchtigen Neugeborenen in Thüringen und dem weithin ungebremsten Strom von Crystal Meth, das binnen kurzer Zeit die Menschen geistig und körperlich ruiniere, sehe er die Gefahr, dass nächste Generationen von Thüringern zu großen Teilen „verblöden und als Pflegefälle“ ins Leben treten. „Deshalb müssen wir jetzt handeln, ehe es zu spät ist“, unterstrich Kallenbach, der darauf hinwies, dass das Projekt im Nachbarkreis vom Landratsamt und der Kreissparkasse finanziert wird.

Er wolle „Courage gegen Drogen“ gern auch im hiesigen Landkreis mit betreiben, an hiesige Schulen gehen, um mit seinem Team auch Bemühungen gegen Gewalt unter Schülern zu unterstützen. Bisher gebe es jedoch relativ wenig Interesse an den Bildungseinrichtungen beziehungsweise den ablehnenden Verweis, das man dafür gerade kein Geld habe.

„Das ist eine so tolle Sache, dass man das am besten gleich auf ganz Thüringen ausdehnen sollte“, befand Stephan Höhn, der Mohring im vorigen August in seiner landlustigen Talkshow „Marthas Wohnzimmer“ zu Gast und ihm das Versprechen abgerungen hatte, sich Kallenbachs Aktivitäten gegen Drogen und Gewalt vor Ort zu beschauen und nach Möglichkeit zu unterstützen. Mohring sagte gestern denn auch seine Hilfe zu, „dieses großartige Projekt“ auf den hiesigen Landkreis auszudehnen. „Wir geben so viel Geld im Land für zuweilen weniger sinnvolle Vorhaben aus, da müssen wir das hier einfach hinkriegen“, erklärte er. Kania und Kowalleck wollen gleichfalls um die Unterstützung von Landratsamt und Kreissparkasse werben.

Unterstützung hatte Mohring gegen Mittag bereits der Spitze der Agrargenossenschaft Kamsdorf signalisiert. Sie hatte vor allem ihre Sorgen hinsichtlich der Agrarreform 2020 vorgetragen. So sei wegen des Brexits wohl unvermeidlich mit rückläufigen Agrarsubventionen zu rechnen; jedoch dürfe das Ausdünnen nicht noch dadurch verschärft werden, dass es künftig für die Beihilfen an die Betriebe eine Kappungsgrenze von 60 000 Euro geben soll, wie das von Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) im Bundesrat bejaht worden war. Würden diese Ansätze Wirklichkeit, würde sein Unternehmen 940 000 Euro pro Jahr verlieren, erläutert Vorstandsvorsitzender Dirk Reichelt: „Das kann nicht funktionieren.“ Das werde unweigerlich Arbeitsplätze kosten, vielleicht sogar die jetzigen Betriebe verschwinden lassen. Mohring versicherte, mit der CDU werde es keine Kappungsgrenzen geben. Und wie die angeblich zerstörerisch agierenden ostdeutschen Großagrarbetriebe wirklich arbeiten, könnte die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner schon bald vor Ort erfahren: Mohring will sie Anfang nächsten Jahres in den Landkreis einladen – möglicherweise nach Kamsdorf.

Jens Voigt / 29.03.18